ZAW Jahrestagung 2019

Am 22. Mai fand traditionell in der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin die Jahrestagung des Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e.V. - kurz ZAW statt. Neben den turnusmäßigen Wahlen des Präsidiums und der Ausschüsse, die den bisherigen Präsidenten Andreas F. Schubert in seinem Amt bestätigten, waren natürlich die Zahlen des Jahres 2018 im Kontext der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation und deren Interpretation von hohem Interesse. Aus diesem Grund hatte der ZAW vor vier Wochen alle Mitglieder gebeten, eine aktualisierte Einschätzung der Entwicklung der Wirtschaftsaussichten in Deutschland abzugeben.

Hauptgeschäftsführer Manfred Parteina schlussfolgerte in seiner einführenden Rede zur Bewertung zu den aus 2018 ermittelten Daten der Werbewirtschaft, das aktuell von einer Rezession keine Rede sein kann. Vielmehr sei nach den Jahren stärkeren Wachstums ein Niveau erreicht, auf dem man von einer Normalisierung des zu erwartenden Wachstums sprechen könne. Allerdings sei besonders in der Werbewirtschaft der Ausschlag eines Booms, aber auch der eines Rückgangs des Wachstums immer stärker ausgeprägt als im Rest der Wirtschaft. Hervorzuheben sei aber auch, dass die tatsächlichen Netto-Werbeeinnahmen trotz der Steigerung von 2017 auf 2018 rückläufig sind!

Wie kontrovers die Situation bewertet wird, bestätigt auch das Meinungsbild in der Umfrage der ZAW-Verbandsmitglieder, deren Mehrheit von einer Sorge über eine zu erwartenden Zurückhaltung in den Werbeinvestitionen sprach. Dem gegenüber gehen 59% der EU-Bürger von einer weiter positiven Entwicklung der Wirtschaft aus.

Im anschließenden Plenum der Werbung, dass das Thema Zukunft der Werbung zum Thema hatte, forderte ZAW-Präsident Andreas F. Schubert nach einem Ausblick auf die zu erwartenden Entwicklung der Werbewirtschaft von der deutschen Politik, die seitens der EU vorgegebenen Einschränkungen für die Werbung nicht unnötig weiter zu verschärfen.

Anschließend sprach statt Annegret Kramp-Karrenbauer, wie angekündigt, mit Prof. Dr. Lars Feld einer der 5 Wirtschaftsweisen zum Thema. In seinem spannenden Vortrag, der weit mehr als nur die Zukunft der Werbung beinhaltete, kommentierte er eine Vielzahl von Charts, die die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in Deutschland und Europa darstellte. Er zeigte auf, das der aktuelle Status der Ökonomie tatsächlich nur schwer zu taxieren ist. Auch er sprach von einem Normalmodus nach vier Boomjahren, der sich wie eine Rezession anfühle. Jedoch können das nicht gelöste Finanzproblem in Italien, der nicht endende Brexit und der Zollstreit zwischen den USA und China sich durchaus negativ auswirken. Weshalb er das Risiko einer Rezession von 5% (2018) auf 20% erhöht sieht. Auch die demografische Entwicklung - er sprach bei seinem Kommentar zum Chart etwas despektierlich vom Tannenbaum (1910), der etwas zerfledderten Weißkopftanne (2015), dem Alten-Döner (2060) und der Alten-Urne (2080) - würde zunehmend ein Problem für eine positive wirtschaftliche Entwicklung, da es schlicht an Arbeitnehmern fehlen wird. Um die hochgerechnete Zahl der zukünftig benötigten Mitarbeiter von zusätzlich rund 1,3 Millionen zu erreichen, sei das allein durch Migration (rund 200TSD) nicht zu erreichen, sondern nur durch ein langfristige und gezielte Einwanderungspolitik.

Und er sparte nicht mit Kritik an den politischen Entscheidern in Berlin, die sich, wenn sie sich überhaupt zu Entscheidungen durchrängen, leider die wirtschafts- und finanzpolitischen falschen treffen würden, da sie teilweise nicht den von den 5 Weisen vorausgesagten sowie demoskopischen Entwicklungen entgegenwirken, sondern nur parteipolitisch motiviert und kontraproduktiv seien.

Diesen Ball nahm der ZAW-Präsident bei der Verabschiedung von Prof. Dr. Feld abschließend dankend auf und schloss das Plenum 2019 mit der Anmerkung, dass die verhinderte Annegret Kramp-Karrenbauer heute durchaus etwas hätte lernen können.

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